„Viele Menschen gewöhnen sich zu lange an Schmerzen“

Schmerzen beim Treppensteigen, Probleme beim Aufstehen oder kaum noch schmerzfreie Bewegungen – viele Menschen versuchen lange, ihre Beschwerden auszuhalten. Wann ein künstliches Gelenk sinnvoll werden kann, welche Sorgen viele Betroffene vor einer Operation haben und wie moderne Endoprothetik heute abläuft, erklärt Oberarzt Dr. Ralf Banaskiewicz aus der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Städtischen Klinikum Görlitz im Interview.

Häufig ist eine fortgeschrittene Arthrose der Grund für ein künstliches Gelenk – also ein deutlicher Verschleiß des Gelenks mit anhaltenden Schmerzen und zunehmenden Einschränkungen im Alltag. Zunächst werden konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wie Physiotherapie, Bewegungstherapie, Schmerzbehandlungen oder auch Einspritzungen in das Gelenk. Wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichend helfen und gleichzeitig im Röntgenbild deutliche Veränderungen sichtbar sind, kann ein künstliches Gelenk sinnvoll werden. Daneben gibt es aber auch andere Gründe für eine endoprothetische Versorgung – etwa bestimmte Knochenbrüche wie Schenkelhalsfrakturen oder andere schwere Gelenkschäden im Rahmen von Unfällen.

Viele Patientinnen und Patienten mit Arthrose berichten über dauerhafte Schmerzen und eine immer kürzere schmerzfreie Gehstrecke. Typisch sind außerdem sogenannte Anlaufschmerzen – also Beschwerden besonders nach Ruhephasen – sowie zunehmende Einschränkungen der Beweglichkeit.

Mit fortschreitendem Gelenkverschleiß treten die Schmerzen häufig auch nachts oder in Ruhe auf. Viele Betroffene vermeiden dann Spaziergänge oder bestimmte Bewegungen im Alltag. Auch Treppensteigen fällt oft zunehmend schwer. Teilweise kommt es zusätzlich zu Fehlstellungen oder spürbaren Reibe- und Knackgeräuschen im Gelenk.

Eine Endoprothesenversorgung ist keine kleine Operation. Deshalb haben viele Menschen verständlicherweise Angst vor dem Eingriff oder möglichen Risiken. Häufig geht es dabei um die Sorge vor Schmerzen, einer längeren Einschränkung oder der Frage, wie beweglich man danach wieder sein wird. Auch mögliche Risiken die jeder operative Eingriff mit sich bringt, bereitet den Patienten Sorge.

Vor einer Gelenkersatzoperation steht immer die individuelle Beratung. Foto: Adobe Stock

Diese Eingriffe sind heute sehr gut planbar und standardisiert. Wenn die Voraussetzungen stimmen und die Beschwerden tatsächlich vom geschädigten Gelenk ausgehen, profitieren viele Patientinnen und Patienten deutlich von der Operation. Oft entscheiden sich Menschen erst für den Eingriff, wenn der Leidensdruck sehr groß geworden ist. Umso größer ist bei vielen anschließend die Erleichterung, wenn die typischen Schmerzen zurückgehen und wieder mehr Bewegung möglich wird.

Die Mobilisierung beginnt in der Regel direkt nach der Operation oder spätestens am ersten Tag danach. Bereits in den ersten Tagen machen viele Patientinnen und Patienten deutliche Fortschritte. Im Anschluss folgt meist eine ambulante oder stationäre Rehabilitation. Nach etwa drei bis sechs Monaten ist häufig wieder eine sehr gute Mobilität erreicht, sodass viele Betroffene ihren Alltag wieder selbstständig bewältigen können.

Viele Menschen gewöhnen sich über Jahre an Schmerzen und schränken ihren Alltag immer weiter ein. Deshalb ist es wichtig, Beschwerden nicht dauerhaft hinzunehmen, sondern sich frühzeitig beraten zu lassen, wenn Beweglichkeit und Lebensqualität zunehmend eingeschränkt werden.


Dr. Ralf Banaskiewicz Foto: Paul Glaser

Zur Person:

Dr. Ralf Banaskiewicz ist seit 2006 am Städtischen Klinikum Görlitz tätig. Bereits während seiner Facharztausbildung erwarb er 2011 die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. 2012 schloss er seine Facharztausbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie ab. Es folgten die Zusatzbezeichnung „Spezielle Unfallchirurgie“ (2015) sowie die Qualifikation „Leitender Notarzt“ (2016). Im selben Jahr wurde er zum Oberarzt ernannt. Seit 2008 ist Dr. Banaskiewicz am Klinikum für die Schwerverletztenversorgung verantwortlich. Zunächst betreute er unter anderem organisatorische Aufgaben rund um das TraumaRegister, seit 2015 leitet er offiziell das Traumazentrum. Neben seiner medizinischen Tätigkeit absolvierte er ab 2016 ein Masterstudium im Bereich Gesundheitsökonomie, das er 2019 mit dem Abschluss „Master of Health Business Administration“ (MHBA) beendete. 2025 erwarb er zusätzlich die Qualifikation „Medizinische Begutachtung“. Seit 2023 befindet sich Dr. Banaskiewicz außerdem in der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung „Spezielle Orthopädische Chirurgie“. Dafür ist er anteilig an einer großen orthopädischen Klinik mit angeschlossenem Endoprothetikzentrum tätig und dort unter anderem als Hauptoperateur im Bereich Endoprothetik eingesetzt.


Am Städtischen Klinikum Görlitz werden aktuell endoprothetische Eingriffe an Hüfte, Knie und Schulter durchgeführt. Behandelt werden Patientinnen und Patienten unter anderem bei Gelenkverschleiß, Frakturen sowie weiteren orthopädischen Erkrankungen.

Zum Leistungsspektrum gehören:

  • Hüftendoprothesen bei Coxarthrose und Schenkelhalsfrakturen
  • Knieendoprothesen bei Gonarthrose und bei gelenknahen Frakturen
  • Schulterendoprothesen bei Frakturen und Arthrose im Schultergelenk

Eingriffe an bestehenden Endoprothesen, mit Revision von Teilen der Prothese oder kompletten Wechseln
„Unsere Versorgung zeichnet sich durch Interdisziplinarität, Erfahrung und Wohnortnähe aus“, sagt Dr. Robert Hofmann, Chefarzt der Unfallchirurgie/Orthopädie am Städtischen Klinikum Görlitz. Gerade bei
größeren orthopädischen Eingriffen spiele nicht nur die Operation selbst eine wichtige Rolle, sondern auch die Betreuung vor und nach dem Eingriff. Als Schwerpunktkrankenhaus verfügt das Klinikum Görlitz über die notwendigen diagnostischen, operativen und interdisziplinären Strukturen direkt vor Ort. Dazu gehören unter anderem Radiologie, Intensivmedizin, Anästhesie, Physiotherapie sowie weitere Fachbereiche, die in die Behandlung eingebunden werden können.

Planbare Operationen sind am Klinikum Görlitz derzeit innerhalb von zwei bis drei Wochen möglich. Für viele Betroffene ist neben der medizinischen Versorgung auch die wohnortnahe Betreuung ein wichtiger Aspekt – etwa für Angehörige, Nachsorge oder weitere Behandlungsschritte.

Zentraler Ansprechpartner ist die Chirurgische Fachambulanz im Haus A. Die Vorstellung erfolgt in der Regel über ambulante Orthopäden oder Chirurgen mit Überweisung beziehungsweise Einweisung. Bei gesicherter Diagnose ist auch eine Vorstellung über den Hausarzt mit Einweisung möglich.

Chirurgische Fachambulanz – Haus A
Sprechstunde: Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag
Telefonische Terminvergabe ​täglich von 07:00 bis 08:30 Uhr (Telefon: +49 3581 37-1795)
E-Mail: chirurg.fachambulanz@klinikum-goerlitz.de

Mehr Infos: unfallchirurgie.klinikum-goerlitz.de