Eine Zwillingsmutter erzählt vom Start ins Leben in der 29. Schwangerschaftswoche
Wenn Babys zu früh auf die Welt kommen, ist plötzlich alles anders: medizinisch, organisatorisch, emotional. Am Montag, dem 17. November, ist Weltfrühgeborenentag. Christin aus der Oberlausitz erzählt uns die Geschichte ihrer beiden Söhne – Zwillinge, geboren am 22. September 2011 in der 29. Schwangerschaftswoche. Eine Geschichte über Unsicherheit, medizinische Entscheidungen und einen Start ins Leben, der alles andere als selbstverständlich war.

Erst in der 16. Woche erfuhren Christin und ihr Mann Marco, dass sie Zwillinge erwarteten. Kurz darauf zeigte die Feindiagnostik, dass einer der beiden deutlich kleiner war – ein möglicher Hinweis auf ein fetofetales Transfusionssyndrom. Eine Diagnose, die abgeklärt werden musste. Die Eltern entschieden sich für eine Untersuchung in Leipzig. Dort bestätigte sich der Verdacht, allerdings nur im Grad 1 – das bedeutete eine engmaschige ambulante Überwachung. Klar war, die beiden würden früher auf die Welt kommen (müssen). Die Ärzte formulierten ihr Ziel: „Wir müssen die 24. Woche erreichen.“
„Dass ich die beiden dann doch sogar bis zur 29. Woche in mir tragen durfte, hätten die Ärzte damals nicht gedacht“, erzählt die Mutter heute. „Wir haben die Situation als nicht so riskant eingeschätzt.“
Am Tag der Geburt stand nur Routineuntersuchung an
Am Tag der Geburt stand eigentlich nur eine Routineuntersuchung beim Frauenarzt an. Ein CTG wurde geschrieben. „Ich fühlte mich an dem Tag zum ersten Mal richtig gut“, erinnert sich Christin. „Endlich war mir mal nicht schlecht. Ich dachte, jetzt geht’s aufwärts“. Dann sagte die Ärztin: „Oh, Sie haben ja Wehen.“ Christin selbst spürte davon jedoch nichts. „Mir tat nichts weh.“
Eine Verlegung nach Leipzig war zu diesem Zeitpunkt bereits zu riskant – die Geburt hätte unterwegs einsetzen können. Also ging es mittags ins Städtische Klinikum Görlitz. Kurz darauf, um 15 Uhr kamen Friedrich – mit gerade mal 740 Gramm und 34 cm – und Ludwig – mit 990 Gramm und 36 cm kaum größer – per Kaiserschnitt zur Welt.


Die Sorge überdeckte Glücksgefühle
„Anstelle von Muttergefühlen hatte ich in den ersten Tagen vor allem Angst“, die Glücksgefühle waren von der Sorge um die beiden, vor allem um Friedrich – er war der deutlich kleinere – verdeckt.
Die erste Zeit nach der Geburt wurden die beiden von Ärztinnen und Ärzten untersucht und stabilisiert. „Mein Mann konnte auch gleich zu ihnen.“ Die Jungs waren kleine Kämpfer und konnten auf der Neonatologie (Frühchenstation) in Görlitz bleiben. Viele Wochen lagen sie im Inkubator, mit Kabeln verbunden und sondiert. „Das kann und möchte man sich kaum vorstellen“, sagt die Mutter offen. Sie konnte die ganzen knapp 12 Wochen im Klinikum bleiben und ihre Kinder täglich halten, kuscheln und bonden.


Nach zwölf Wochen ging’s endlich nach Hause
Und als sie dann endlich kurz vor Weihnachten nach Hause durften, begann eine neue – immer noch aufregende – Zeit. „Irgendwie lebte man ständig in der Angst vor Infekten. Auch war am Anfang nicht klar, ob sich beide gut entwickeln. „Wir waren im ersten Jahr regelmäßig im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).“ Doch die Sorgen waren unbegründet, denn beide entwickelten sich hervorragend, liefen mit knapp anderthalb Jahren und besuchen heute eine ganz normale Schule.
Das hinterlässt sicher Spuren – sichtbar oder unsichtbar. (Zwillingsmama Christin)
„Viele sagen, Frühchen hätten mit vier Jahren alles aufgeholt. Das glaube ich nicht ganz“, sagt die Mutter nachdenklich. „Sie wurden viel zu früh aus dem Bauch geholt und mussten so viel überstehen. Das hinterlässt sicher Spuren – sichtbar oder unsichtbar.“
„Im Rückblick war es eine große Gnade“
Was bleibt, wenn man auf eine so herausfordernde Zeit zurückblickt? „Dass die beiden leben, war für uns nie selbstverständlich. Es haben so viele Menschen für uns und unsere Kinder gebetet“, sagt die Mutter. „Heute sind wir einfach dankbar; auch über den unsagbar großen Einsatz der Schwestern, Pflegerinnen, Pfleger Ärzte und Ärztinnen, die sich Tag und Nacht mit Liebe, Geduld und Hingabe um Friedrich und Ludwig gekümmert haben.“
Ein Blick auf die Versorgung im Klinikum Görlitz
Das Städtische Klinikum Görlitz versorgt Frühgeborene ab der 32. Schwangerschaftswoche und ab 1500 Gramm Geburtsgewicht. Auch früher geborene Kinder werden initial stabilisiert, bis ein spezialisiertes Team der Universitätsklinik Dresden übernimmt. Die enge Zusammenarbeit – vor Ort und telemedizinisch – gibt Familien zusätzliche Sicherheit. Das Prinzip „Minimalhandling“ ist zentral: so wenig Reize wie möglich, so viel Ruhe wie nötig. Wärme, Atemunterstützung und Ernährung über eine Sonde gehören in den ersten Tagen oft dazu.
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